Emotionales Essen


„Du siehst so glücklich aus, wenn du isst...“

Einen Satz, den ich von vielen Seiten immer wieder höre. Anscheinend habe ich eine sehr zufriedene Ausstrahlung, wenn ich etwas zwischen den Zähnen habe. Manch einer in meinem Freundeskreis glaubt auch, ich wäre 24/7 am Essen. Und ehrlich gesagt, kann ich Menschen nicht verstehen, die Stunden lang nichts essen können oder müssen weil sie keinen Hunger haben. Aber Essgewohnheiten sind nun mal unterschiedlich und das ist auch in Ordnung.

Und all diese Personen, die mich beim Essen sehen oder mitbekommen, dass ich viel und gerne esse, haben recht.

Ich liebe Essen!

Wenn ich hungrig bin, kann ich regelrecht zur Furie und zu unausstehlichsten Person werden.

An dieser Stelle: I am sorry for what i said when I was hungry!

 

Es gibt jedoch auch Phasen, in denen isst man, obwohl man keinen Hunger hat. Die Rede ist von emotionalem Essen.

Ich sitze zuhause, wie eigentlich (fast) immer alleine... Mein Tag war irgendwie schlauchend, nicht wirklich erfüllend, stressig oder einfach gesagt: kacke. Ich wünsche mir Aufmunterung und Zuneigung aber es ist niemand da, der mich aufmuntern oder auf andere Gedanken bringen kann. 

Mein Abendessen habe ich bereits gegessen. Aber irgendwie hat es mich nicht zufrieden gestellt. Ich gehe zum Kühlschrank. Mache ihn auf und wieder zu. Mist,... irgendwie nichts verlockendes drin. Ich öffne mein "Süßigkeiten Schrank", in dem sich meistens nur dunkel Schokolade und Datteln befinden. Auch darauf habe ich keine Lust. Ich öffne wieder den Kühlschrank. Und denke: Ach doch, so eine Scheibe Käse mit Weintrauben, das geht.

Ich esse oder besser gesagt stopfe mir eine Scheibe stehend vor dem Kühlschrank in den Mund. Es bleibt nicht bei einer Scheibe. Ich nehme die Packung Käse mit aufs Sofa und mache sie leer. Käse geht immer, trotzdem gehe ich wieder auf die Suche nach irgendwas. Nudeln mit Butter sind auch immer gut. Ich koche mir also noch eine (oder eher zwei) Portion Nudeln. Zwischendurch solange ich warte dann doch noch mal die dunkle Schokolade und Datteln essen. Egal Hauptsache irgendwas zum kauen. Schlecht wird mir irgendwie nicht, ein Sättigungsgefühl setzt aber auch nicht ein. Hunger habe ich auch keinen. Ist es Appetit? Nein, es ist auch kein Appetit. Es ist Frustration. Es ist innere Leere. Es ist Einsamkeit. Das Bedürfnis nicht alleine sein zu müssen. Aber ich bin alleine und befriedige meine emotionale Leere mit Essen. 

 

Jetzt denkt sich der ein oder andere: Du isst, doch aber gesundes Zeug... Ja, das was ich oben aufgezählt habe mag nicht unbedingt Fast Food sein. Aber es ist auch nicht wichtig, was ich gegessen habe, sondern vielmehr das WIESO und WIEVIEL ich gegessen habe. Ich hatte einen emotionalen Fressanfall. In solchen Situationen kann ich Unmengen an Essen verdrücken, bei denen glaube ich viele kapitulieren würden.

Bin ich nach den riesen Mengen an Essen glücklicher? Nein! Es war eine Ersatzbefriedigung für den Moment. Ich habe versucht meine Gefühle und Bedürfnisse durch überessen zu betäuben. Immerhin weiß ich mittlerweile, was bei mir der Auslöser ist: Einsamkeit. In der Regel fühle ich mich nach dem Essen aber noch schlechter als vorher. Denn nach dem Überessen oder schon während dem Essen folgen häufig eine Art Schuldgefühle. Denn ich weiß, ich hätte es nicht essen müssen oder sollen. Aber in solchen Situationen setzt mein gesunder Menschenverstand aus.  

Emotionen und Essen

Emotionen mit Essen zu verbinden oder zu kompensieren, ist menschlich. Denn das erlernt jeder bereits in den ersten Stunden seines Lebens. Durch das Stillen, wird versucht das Baby zu beruhigen. Man wird von der Mutter umsorgt und bekommt Zuneigung und Liebe. Ich kann mich auch noch gut an die eine oder andere Situation in meiner Kindheit erinnern, in der ich mit Essen (oft Süßigkeiten) für etwas Belohnt wurde. Man erlernt sein Essverhalten demnach schon in der frühen Kindheit und verfährt nach den gleichen Prinzipien auch im Erwachsen Alter. Hinzu kommt, dass man täglich mit Essen und Emotionen gleichzeitig konfrontiert wird. Denn Werbestrategien verwenden Emotionen, um Produkte an den Mensch zu bringen. Es wird immer eine Bindung oder Gefühlswelt mit Essen ausgedrückt.

Es ist also vollkommen normal, dass man Essen mit Emotionen verbindet. Das Problem ist nur: 

 

Essen kann deine Gefühle in den wenigsten Fällen dauerhaft lösen.

 

Ich habe meine Essanfälle Phasen- und Schubweise. Besonders im Winter, wenn es draußen einfach nur dunkel, nass und kalt ist. Oder ich weniger unter Menschen bin. Mal 1x die Woche, mal 7 Tage oder mehr hintereinander, mal mehrere Monate gar nicht..... Unregelmäßig, halt dann wenn es mir emotional nicht gut geht, mein Tag blöd war und ich etwas brauche, dass mich glücklich macht. Ich versuche meinen Frust und emotionale Einsamkeit mit Essen zu betäuben. Essen macht mich halt Glücklich. Meine Einsamkeit verschwindet dadurch jedoch nicht. Nach ein paar Tagen exzessivem essen, denke ich mir meistens: Jetzt reiß dich aber mal wieder zusammen!

Ich kann mich dann auch wieder zusammenreißen und dem Teufelskreis entkommen. Denn es ist nichts anders als ein Teufelskreis, wodurch man mit der Zeit immer frustrierter wird. Essen kann nun mal langfristig nicht deine Gefühlswelt kompensieren oder bewältigen.

Raus aus dem Teufelskreis

Emotionales Essen kann viele verschiedene Ursachen haben. Mein eigenes Beispiel ist nur eines aus vielen möglichen Auslösern. Andere Auslöser für emotionale Essanfälle könnten zum Beispiel sein: Anerkennung, Zuneigung, Probleme, Stress, Ärger, Langeweile, Heißhunger, Frust oder Schuldgefühle. Aber egal aus welchen Gründen du isst, sie haben alle eine Sache gemeinsam:

 

Man kann Gefühle oder Bedürfnisse nicht mit Essen kompensieren.

 

Aus dem unkontrollierten Essverhalten resultiert oftmals Frust und/oder Schuldgefühle. Man wird eventuell traurig, dass man gegessen hat und versucht seine erneuten Gefühle wieder mit Essen zu betäuben. Wird emotionales Überessen zur Normalität schummeln sich schleichend die Fettpolster um den Körper. Und man ist wieder unzufrieden mit sich selber und fühlt sich nicht mehr wohl. Es ist also eine endlos Schleife.

Doch wie schafft man es jetzt aus diesem Teufelskreis zu entkommen....?!

 

Essen ist Genuss. Aber kannst du während eines emotionales Essanfalls wirklich genießen? Ich ehrlich gesagt nicht, ich schlinge alles so schnell wie möglich in mich runter ohne, dass meine Zunge wirklich realisieren kann, was sie gerade schmeckt. Hauptsache viel und am besten Kohlenhydrate und Zucker.

Es ist immer wichtig, sich fürs Essen Zeit zu nehmen. Irgendwann hat es sich jedoch leider in unserer Gesellschaft etabliert, dass für Essen oft keine Zeit mehr da ist. Ein Termin jagt den nächsten, zu viel zu tun, sich keine Auszeit gönnen, immer unter Strom und Spannung stehen und Hauptsache möglichst viel in kurze Zeit schaffen.

Auch ich kenne das. Aber es ist aus dem eben genannten Grund -Genuss- wichtig, dass man sich Zeit fürs Essen nimmt. Denn durch hektisches oder nebenbei Essen, realisiert man kaum, was man isst. Es entsteht möglicherweise ein unbefriedigtes Gefühl und man isst unbewusst mehr und immer zwischendurch. Oder der Körper rächt sich am Abend mit Essanfällen. Pausen sind menschlich und gehören zum Alltag dazu. 

 

Wenn Du isst ohne Hunger zu haben oder merkst es ist emotionales Essen, halte kurz inne und höre in dich hinein: Warum Esse ich? Ist es Hunger oder sind es Gefühle, die ich bewältigen möchte. Vermutlich wirst du einige Zeit brauchen, bist du deine Gefühle zuordnen kannst. Aber wenn du dir einen Moment Zeit nimmst und in dich hinein hörst, was du brauchst, wirst du merken was dir fehlt. Problemlösungen für diese Gefühle und Bedürfnisse sind immer individuell daher gibt es dafür keine Einheitliche Lösung. Du musst für dich einen eigenen Weg finden. Aber hast du dein Gefühl gedeutet bist du auf alle Fälle in vielerlei Hinsicht schon mal einen Schritt weiter und lernst dich selber besser kennen. Es ist ein psychischer Prozess, den du alleine bewältigen musst. Hast du das Problem erkannt und eine Lösung dafür gefunden, wirst du merken, welche seelische Befriedigung dir das gibt. Essen kann das nicht!

 

YOU DECIDE :(:

 

Ich habe mittlerweile verstanden, dass Essen meine Gefühlswelt nicht ausgleichen kann. Zu 100% abstellen kann ich sie dennoch nicht. Aber ich kann sie minimieren, indem ich in mich hinein höre und daran arbeite, was mir fehlt.

In Teil Fünf meiner Reihe "Der Speck soll weg!" wird es um den Umgang mit Heißhunger gehen und wie man ihn vermeiden kann. Ja, man kann auch ohne Hungern und Heißhunger abnehmen!

 

#comingsoon

 

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